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Es gibt inzwischen viele alternative Pferdeausbilder auf dem
Markt. Jeder hat seine Befürworter und jeder auch seine Gegner. Ich glaube, man
kann bei aller – teilweise gerechtfertigter – Kritik diesen Menschen einfach im
Positiven unterstellen, dass sie sich sehr viel Gedanken um die Themen gemacht
haben:
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Wie schaffe ich ein Vertrauensverhältnis?
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Wie versteht mein Pferd mich besser?
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Wie kann ich mein Wünsche durchsetzen ohne nur drauf zu schlagen?
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Wie lassen sich die reiterlichen Einwirkungen minimieren?
Welche dieser Lehren nun die Beste oder gar einzig richtige
ist, lässt sich ebenso beantworten, wie die Frage der einzig wahren Religion.
Wer sich die Mühe macht, die Veröffentlichungen der verschiedenen Ausbilder–„Gurus“
(das ist jetzt nicht negativ gemeint) zu studieren und sich auch mal die eine
oder andere Präsentation anzusehen, wird feststellen, dass die Inhalte ihrer
Lehren einander stark ähneln. Es geht um die Harmonisierung des Zusammenseins
zwischen Pferd und Mensch, also um Ethik und Anstand (wie auch bei den
Religionen).
Und als Ergebnis sieht man ein Pferd, das dem Menschen am
Boden ohne Einsatz von technischen Hilfsmitteln aufmerksam und freundlich
zugewandt folgt oder ein Pferd, dass ohne Sattel und Zaumzeug scheinbar durch
Gedankenübertragung von seinem Reiter durch schwierige Aufgaben oder Lektionen
dirigiert wurde.
Das ist doch Positiv – oder?
Wer hat nicht voller Bewunderung gedacht: Das würde ich auch
gerne können, aber mein Pferd....
Ein Pferd so Reiten zu können, ist natürlich ein
hochgestecktes Ziel, dennoch ist es erreichbar. So mancher Reiter wäre aber
schon zufrieden, wenn er sein Pferd am losen Zügel reiten könnte (ohne dass es
auf die Vorhand fällt) und es auf eine feine Hilfengebung reagiert.
Nach welchem dieser Ausbilder man nun mit seinem Pferd
arbeiten möchte, ist meiner Meinung nach einfach „Geschmackssache“. Jedes Pferd
ist ein Individuum und bei dem Einen funktioniert Parelli besser, das Andere
zeigt eine ganz tolle Veränderung nach einem Join-up, wieder ein anderes ist so
verspannt, dass man ihm erstmal über den T-Touch eine Erleichterung verschaffen
muss, damit sein Mensch Zugang zu ihm findet. Hinzu kommt, dass auch jeder
Mensch individuell ist und deshalb für sich selbst sehen muss, welche
Anregungen seinen eigenen Interessen und auch motorischen Fähigkeiten am besten
entsprechen. Im Folgenden möchte ich einige Elemente der alternativen
Reitweisen vorstellen, die ich persönlich als sinnvoll erachte und sie deshalb
auch in der Praxis anwende mit dem Ergebnis wirklich leichtrittiger Pferde.
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Impulsreiten
Damit das Pferd auf uns hört, müssen wir erst mal erreichen,
dass es auf uns horcht, das seine Aufmerksamkeit bei uns ist. Dazu müssen wir
die abstumpfende Reizüberflutung durch ständiges Kommando geben einstellen. Es
hat sicherlich jeder schon mal selbst die Situation erlebt, dass ein
Gesprächspartner pausenlos auf uns eingeredet hat. Die Folge war: wir haben
abgeschaltet und nicht mehr wirklich zugehört. Das gleiche geschieht auch beim
Pferd.
Also sollten wir unseren „Redeschwall“ abstellen und nur
„reden“, wenn wir wirklich was zu sagen haben. Damit entfällt das in der
klassischen Reitweise übliche Dauertreiben bei jedem Schritt und auch die damit
sich zwangsläufig einstellenden Schenkeltaubheit des Pferdes. Beim Impulsreiten
wird das Pferd aufgefordert etwas zu tun, z.B. Antraben. Sobald es dem Kommando
folgt, begnügt sich der Reiter damit, weich in der Bewegung des Pferdes
mitzugehen und es nicht in seinem Bewegungsablauf zu stören. Das Pferd hat
seine Bewegung beizubehalten, bis der Reiter seinen Wunsch nach einer Änderung
mitteilt. Nur bei gewünschter Veränderung erfolgt ein Kommando.
Das „Mitgehen“ in der Bewegung
Wenn man sich ganz passiv auf ein gehendes Pferd setzt – am
Besten mal ohne Sattel - und genau
hinfühlt, wie der Pferderücken schwingt, wird man feststellen, dass man nicht
nur vor und zurück „geschaukelt“ wird, sondern auch abwechselnd nach rechts und
links. Der Pferderücken hebt und senkt sich im Wechsel auf beiden Seiten. Während
das Pferd das rechte Hinterbein nach vorne bewegt, wird rechtsseitig der Bauchmuskel angespannt,
wodurch der Rücken des Pferdes auf der rechten Seite aufgewölbt und der
Rückenmuskel gedehnt wird. Das gleiche gilt natürlich auch für die linke Seite. Diese Aufwölbung ermöglicht dem Pferd den Raumgriff der Hinterhand. Wenn man
nun ein Pferd – wie es in der klassischen Reitweise gelehrt wird – treibt, indem man mit dem Gesäß beidseitig im Takt
nach vorne schiebt, stört man die Statik und damit den flüssigen
Bewegungsablauf des Pferdes. Der gedehnte, angehobene Rückenmuskel wird
Schubkräften nach vorne ausgesetzt, die ihn kontrahieren; somit wird der
Raumgriff gestört. Günstiger ist es - angepasst an die Bewegung des
Pferderückens - abwechselnd das linke und rechte Sitzbein abzusenken (natürlich
ohne in der Hüfte abzuknicken). Dadurch wird der jeweilig aufgewölbte
Rückenmuskel entlastet, der Raumgriff erhalten und der kontrahierte
Rückenmuskel auf der abgesenkten Seite erhält einen sanften Impuls, mit dem man
das Pferd in seiner Bewegung unterstützt. Auf diese Weise signalisiert man dem
Pferd, dass der Erhalt seiner Eigenbewegung vom Reiter erwünscht ist.
Bremsen und Treiben
Wünscht man, dass das Pferd anhält, hört man einfach auf
seine Bewegung zu unterstützen, der Reiter wird passiv und lässt sich ein wenig
in den Sattel „sacken“ (es ist hilfreich, dieses anfänglich mit einem hörbaren
Ausatmen zu verbinden). Das Pferd spürt dieses Signal der Passivität und wird
selber passiv, also anhalten. Um wieder Anzureiten bringt man Spannung in die
eigene Körpermuskulatur und gibt mit dem Gesäß einen Impuls nach vorne. Sobald
das Pferd antritt unterstützt man es wieder in seiner Bewegung wie oben
beschrieben. Mit etwas Übung lässt sich das so verfeinern, dass es einem
gelingt, das Pferd in der jeweiligen Gangart zu beschleunigen oder zu verlangsamen,
indem man dem Bewegungsrhythmus des Pferdes ein wenig „vorweg eilt“ oder „hinterher hinkt“, bis das Pferd sich
dem damit von uns vorgegebenen Rhythmus anpasst.
Mit „Fokus“ lenken
„Fokussieren“ bedeutet: etwas auf einen zentralen Punkt
richten. Wenn wir unser Pferd zu einem bestimmten Punkt reiten wollen, richten
wir uns selbst auf diesen Punkt aus, unseren Blick und auch unsere
Körperhaltung. Liegt der angesteuerte Punkt gerade vor uns, geht unser Blick
nach vorne, der Körper ist gerade gerichtet, beide Beine liegen gleichmäßig
leicht am Pferd an. Wollen wir einen Punkt ansteuern der rechts von uns liegt
(also eine Kurve reiten), richten wir wiederum unseren Blick auf das erwünschte
Ziel. Dies tun wir allerdings nicht heimlich und verstohlen aus dem
Augenwinkel, sondern indem wir unseren Körper auch diesem Ziel zuwenden. (Bitte
darauf achten, dass die Schultern auf einer Höhe bleiben und die Hüfte nicht
eingeknickt wird.) Durch diese Drehung des Oberkörpers stellt sich quasi
automatisch die richtige Hilfengebung durch Gewicht und Schenkel ein und das
Pferd wird nach rechts abwenden. Das lässt sich ganz prima auf einem normalen
Drehstuhl ausprobieren und üben. Füße parallel und mit gleichen Druck auf den
Boden, Oberkörper senkrecht halten und dann dreht ihr euren Oberkörper nach
rechts oder links. Der Drehstuhl wird durch die Gewichtskräfte, die auf ihn
einwirken eurer Bewegung folgen. Die gleichen Gewichtskräfte übertragt ihr auch
auf den Pferderücken. Bei weniger sensiblen Pferden kann man die Hilfe noch
durch ein „Austreten“ (Belasten) des inneren Steigbügels unterstützen.
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